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MESSE-RUNDGANG

Zwischen weißen Fracks und rosa Brillen

10. Februar 2008, 15:58 Uhr VON EVA EUSTERHUS
Nachdem die Hansestadt bereits als erstes Bundesland mit der Einführung der Hamburger Ehe Neuland hinsichtlich der Gleichberechtigung betrat, lockt sie nun mit einem weiteren Novum für gleichgeschlechtliche Paare: der ersten schwul-lesbischen Hochzeitsmesse in Deutschland.

 Foto gleichgeschlechtliche Brautpaare aus Marzipan

Gleichgeschlechtlicher Marzipanschmuck für die Hochzeitstorte Foto: Reto Klar

Barbara und Ines sind sich noch nicht ganz sicher. Etwas unschlüssig stehen die beiden Damen am Stand von „Trauringe selber schmieden – auf Langeoog “. „Die Idee, dass man sich gegenseitig den Ring anfertigt, find ich ja ganz witzig“, sagt Barbara nach einer Weile. „Aber wenn ich daran denke, dass du zwei linke Hände hast, und ich dann ein Leben lang mit einem verhunzten Ring herumlaufen soll, find ich das doch nicht so prickelnd.“ Dann schüttelt die Dame hinter dem Stand auch schon vehement den Kopf: „Keine Angst, wir helfen Ihnen ja: Die Ringe werden zum Schluss perfekt aussehen!“legen. Außerdem wird grundsätzlich in einem größeren Rahmen gefeiert. Hinzu komme, dass sich schwule und lesbische Paare auf gewöhnlichen Messen fehl am Platz fühlen, weil sie nicht wissen, wie die Aussteller auf sie reagieren.

Schrille Dekorationen und schräge Outfits mit viel Pink und noch mehr Glitzer hatte man im Kopf, bevor man den nüchternen Kongresssaal im Mövenpick Hotel im Alten Wasserturm betritt. Dort nämlich fand gestern die erste schwullesbische Hochzeitsmesse, die Gay Weddings Days,statt. Nachdem die Hansestadt bereits als erstes Bundesland mit der Einführung der Hamburger Ehe Neuland hinsichtlich der Gleichberechtigung betrat, drehte sich gestern alles weniger um das Ob, sondern mehr um das Wie.

Um das Drumherum also. Von originellen Torten mit handgefertigten Figuren aus Marzipan, hin zu antiken Gästebüchern, über Spezielle Maßschneiderrein, die passend zum weiß-roten Kleid einen weiß-rotes Hosenanzug schneidern, oder auf Wunsch einen weißen Frack, dazu handgefertigte Schuhe über erotische Hochzeitsfotografien hin zu ausgefallenen Blumenarrangements. Doch nach schrillen Skurrilitäten sucht man vergeblich. „Stimmt“, sagt die Initiatorin der ersten „Gay Wedding Days“ Katja Kruse. „Es ist ja auch ein Klischee, dass gleichgeschlechtliche Paare anders heiraten als Heteropaare.“ Der Unterschied liege eher darin, dass sie bei den Details sehr viel mehr Wert auf das Besondere

Die Idee zu den Wedding Days, die ab dem nächsten Jahr auch in Berlin und Köln stattfinden soll, hat die Hochzeitsplanerin von ähnlichen Messen aus London und Amsterdam. Zu den rund 20 Ausstellern gehört zum Beispiel Bettina Schliephake-Burchardt. Vor ihrem „Torten-Couture“-Stand tummeln sich die Paare vor wahren Zuckerträumen. Die erfahrene Pâtissier, die schon auf einigen Hochzeitsmessen ausgestellt hat, freut sich über die vielen originellen Anfragen, auf die sie bei gewöhnlichen Messen vergeblich wartet. „Statt dem klassischen Einerlei darf ich mich hier austoben, also Persönliches in die Torte einbauen, das finde ich toll!“, sagt sie. Der absolute Verkaufsschlager liegt allerdings ein paar Stände weiter: Die Wedding Box inklusive rosa Brille. Ausgerechnet. Die funktioniert so: Brillen an die Hochzeitsgesellschaft verteilen, Wunderkerzen anzünden, passende Musik auflegen – und in einem Meer von rosa Herzen in die Hochzeitsnacht tanzen.